Testfall Griechenland 2: weitere werden folgen, auch Deutschland

 

EU-GEHEIMARMEE EINSATZBEREIT GEGEN GRIECHISCHEN VOLKSAUFSTAND

 

von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel

 

Laut Angaben der griechischen Polizei beteiligten sich in diesen Tagen in Athen 100.000 bis 200.000 Menschen an den Massenprotesten, die von etlichen demokratischen Massenorganisationen und insbesondere der Gewerkschaft PAME organisiert werden. PAME steht der Kommunistischen Partei Griechenlands nahe, welche unter den größeren Parteien des Landes die einzige Partei ist, die an der Spitze der protestierenden Volksmassen steht. (1)

 

Die griechische Reaktion setzte bisher gegen die durchaus friedlichen Demonstranten die mit Tränengas und Polizeiknüppeln immer wieder brutal zuschlagende Polizei ein. Jedoch sehen sich die Herrschenden bisher außerstande, allein damit die weiter zunehmende Volksbewegung zu stoppen. Daher greifen sie zusehends zu noch brutaleren und schmutzigeren Mitteln, welche unsereins längst nicht unbekannt sind. So werden zunehmend "agents provocateurs" eingesetzt. Das sind Elemente aus dem ultralinken und geheimdienstlichen Milieu, welche der Staatsgewalt die gewünschten Vorwände liefern sollen, um die Proteste mit aller Gewalt offensiv durch schwerbewaffnete Einsatzkräfte zu unterdrücken.

 

Spricht die Polizei von bis zu 200.000 Menschen, die da in Athen protestieren, ist für unsereins klar, daß es in Wirklichkeit bis zu 500.000 Menschen sein dürften, die da derzeit vom bürgerlich-demokratischen Recht auf Versammlungsfreiheit und Demonstrationsfreiheit Gebrauch machen. Wir betonen, daß diese Menschen friedfertige Menschen, auch wenn die Wut über das Maßnahmepaket "sozialer Grausamkeiten" sehr verständlicherweise sehr groß sein muß. Wer in den wenigen Filmberichten von den Massendemonstrationen in Athen genauer hinschaut, der muß erkennen, daß es stets nur sehr wenige Personen sind, die sich zum Werfen von Molotow-Cocktails auf Polizisten hinreißen lassen. Auch der beklagenswerte Tod jener drei Menschen in einer Bank geht auf das Konto einer Randgruppe Autonomer, welche von bürgerlichen Fernsehberichterstattern auf wenige hunderte Mitglieder geschätzt wird. Wenige Hunderte! Wie wenig ist dies doch im Verhältnis zu bis zu 500.000 Teilnehmern am Volksprotest in Athen. (2)

 

Die maßgeblichen Kreise des insbesondere deutschen und französischen Finanzkapitals zimmern seit über 50 Jahren an einer Neuauflage der "Heiligen Allianz" mit dem Namen "Europäische Union", in welcher sich die finstersten und reaktionärsten Mächte Europas gegen die Völker der Welt zusammenschließen. Mit dem Zusammenbruch der sozialistischen Staatengemeinschaft knallten bei den imperialistischen Mächten die Champagnerkorken und konnte im zuletzt von den Regierungen der EU-Mitgliedsländern unterzeichneten Vertragswerk von Lissabon für den "Krisenfall" auch die "Lizenz zum Töten" im Interesse des Imperialismus durchgepeitscht werden.

 

Die in Gestalt der EU vereinte Bourgeoisie Europas träumt davon, daß der Monopolkapitalismus ewig besteht. Sie ist bestrebt, ihre Herrschaft zu zementieren. Dies so stark, wie nur möglich.

 

Dabei wissen wir Kommunisten, daß die Volksbewegungen in der EU es hier mit einem äußerst raffinierten und eiskalten Gegner zu tun haben. Der Imperialismus in EU-Gestalt ist nicht bei den Mitteln des Klassenkampfes aus der Zeit vor 1940 stehengeblieben. Der Imperialismus verstand es, neue Formen der Auseinandersetzung hervorzubringen, die durchaus ihre Wirkung bisher nicht verfehlten. Wir Kommunisten erinnern da an "Gladio" in der Zeit des "kalten Krieges".

 

GLADIO - DIE GEHEIMARMEE WESTEUROPAS BIS 1990

 

Ab Anfang der 1950er Jahre wurden besonders in Italien, aber auch in fast allen anderen westeuropäischen Ländern Agenten ausgebildet, die im Fall einer Befreiung des jeweiligen Landes durch Truppen des Warschauer Vertrags paramilitärische Handlungen und Sabotage durchführen sollten (so genannte "Stay-Behind"-Operationen). Zu diesem Zweck wurden europaweit geheime, illegale Waffendepots angelegt. Als Vorbild diente das Special Operations Executive, eine britische Spezialeinheit, die während des 2. Weltkrieges selbst verdeckte Operationen hinter feindlichen Linien ausführte und bestimmte den britischen Interessen dienliche Widerstandsgruppen, darunter Teile der Résistance, unterstützte und ausbildete. Die Mitglieder der so gebildeten Geheimarmeen rekrutierten sich unter anderem aus militärischen Spezialeinheiten, Geheimdienstkreisen und Rechtsextremisten, letztere teilweise mit kriminellem, in der Bundesrepublik Deutschland auch nationalsozialistischem Hintergrund. (3)

 

Die Existenz der Untergrund-Armeen wurde vor der Bevölkerung und den Parlamenten geheim gehalten und war in den einzelnen Ländern jeweils nur einem kleinen Kreis von Regierungsmitgliedern bekannt. In den einzelnen Ländern wurde die Anwerbung und Führung der Agenten meist von Unterabteilungen der jeweiligen nationalen Geheimdienste übernommen, in der Bundesrepublik Deutschland von einer eigenen Dienststelle des Bundesnachrichtendienstes (BND). Die militärische Befehlsgewalt hatten die geheimen Kommandostellen Allied Clandestine Committee und Clandestine Planning Committee im NATO-Hauptquartier  SHAPE im belgischen Mons.(4)

 

"Gladio" war eine paramilitärische Geheimorganisation der NATO, der CIA und des britischen MI6 während des Kalten Krieges. Die Organisation existierte von etwa 1950 bis mindestens 1990 und arbeitete in Westeuropa, in Griechenland  und in der Türkei. Die Organisation wird mit Terrorakten und Morden in mehreren europäischen Ländern in Verbindung gebracht.(5)(6)  Die Europäische Union verurteilte 1990 das Vorgehen der beteiligten Geheimdienste und forderte die Mitgliedsstaaten zur Aufklärung auf.(7)  In Belgien, Italien und dem Nicht-EU-Land Schweiz wurden parlamentarische Untersuchungskommissionen dazu eingesetzt. (3)

 

Jene Entschließung und Abkehr von "Gladio" 1990 gehört mittlerweile der Geschichte an. Jedoch: Nur äußerst naive Gemüter können annehmen, daß die Bourgeoisie in der Klassenauseinandersetzung auf auf den geballten und koordinierten Einsatz von Polizei, Armee und Geheimdiensten verzichten würde. Dies insbesondere nach 1990, als keine starke UdSSR mehr da war, um sie in gewisse Schranken zu verweisen. Als jene bürgerlichen Ideologen Oberwasser bekamen, die vom "Ende der Geschichte" faselten und damit die Zementierbarkeit einer ewigen Herrschaft des Imperialismus für möglich und machbar hielten.

 

EUROGENDFOR - DAS KILLERKOMANDO DER EU HEUTE

 

In diesen Wochen sehen wir, was die Herrschenden da in Umsetzung des Lissaboner Vertragswerkes für so einen "Krisenfall", wie es Griechenland aus ihrer Sicht derzeit wird, vorgesehen haben. Auf Hochtouren laufen in diesen Tagen Vorbereitungen für den Einsatz der EU-Geheimarmee EUROGENDFOR. Sie soll maßgeblich beitragen, die Massenproteste in Griechenland systematisch und planmäßig niederzuschlagen. Und zwar mit der Lizenz zum Töten!

 

Eine schweizerische Quelle enthüllt: Die EUROGENDFOR ist ein 3.000 Mann starkes Sondereinsatzkommando mit Sitz in Vincenza, Italien. Auftrag der mit geheimdienstlichen Kompetenzen ausgestatteten Truppe ist „die Sicherheit in europäischen Krisengebieten“. Ihre Aufgabe ist es, als Polizeitruppe Aufstände niederzuschlagen. (8)

 

Als "Polizeitruppe"? Das hier unter diesem Artikel angegebene Video enthüllt, daß es um "counterinsurgency" geht, auf deutsch "Aufstandsbekämpfung". Diese 3.000 Mann starke Einheit ist somit die speziell ausgebildete Killertruppe des EU-Kapitals zur Enthauptung und Zerschlagung einer demokratischen Massenbewegung unmittelbar vor Ausbruch einer revolutionären Krise (gemäß den bekannten Leninschen Kriterien). So weit definieren wir Kommunisten diese paramilitärische Söldner-Elitetruppe des Imperialismus. Der Name "Gendarmerie" ist lediglich verharmlosende Rhetorik, denn letztlich handelt es sich um eiskalte Auftragskiller, die auch zu Massakern bereit und dafür ausgebildet sind. Dies übrigens von unsereins' Steuergeldern, um gegen unsereins eingesetzt zu werden, wann immer und wo immer wir mal massenhaft aufstehen.

 

Wörtlich heißt es bei derselben schweizerischen Quelle: "EUROGENDFOR ist eine paramilitärische Gendamerie, die anstelle von regulären Militärs eingesetzt wird, um den Eindruck abzuwenden, die Armee eines Landes schiesse auf die eigenen Bürger. Die „European Gendarmerie Force“ kann überall dort eingesetzt werden, wo die EU eine Krise sieht – beispielsweise auch, wenn ein EU-Land den Vertrag von Lissabon nicht ratifiziert oder aus dem EU-Staaten- oder Währungsverbund gegen den Willen der Brüsseler Zentralregierung ausscheren will. Das steht so im „Vertrag von Velsen“, der die Einsätze von EUROGENDFOR regelt. Sie wurde auf Initiative der früheren französischen Verteidigungsministerin Alliot-Marie eingerichtet, nachdem es in Frankreich immer öfter innere Unruhen zugewanderter muslimischer Jugendlicher mit Strassenschlachten und Plünderungen gegeben hatte.

 

Die Soldaten dieser paramilitärischen EU-Truppe müssen sich zwar beim Einsatz an das geltende Recht des Staates halten, in dem sie eingesetzt und stationiert werden, aber: Alle Gebäude und Gelände, die von Truppen in Beschlag genommen werden, sind immun und selbst für Behörden des Staates nicht zugänglich. Die EU setzt damit nationales Recht auch bei der Aufstandsbekämpfung ausser Kraft (...). (8)

 

DIE EU - FEIND ALLER VÖLKER EUROPAS UND DER WELT

 

Diese Fakten belegen eindrucksvoll, daß wir es bei der EU in der Tat mit einer Neuauflage der "Heiligen Allianz" zu tun haben. Und klar wird, daß wir derzeit nur das Vorspiel einer Inszenierung erleben. Welches darin besteht, die friedlich von ihrem bürgerlich-demokratischen Recht auf Demonstrations- und Versammlungsfreiheit Gebrauch machenden Volksmassen Griechenlands zu kriminalisieren, indem die verschwindend kleine Minderheit weniger Provokateure von der imperialistischen Medienallmacht vor der Weltöffentlichkeit hochgespielt wird. Zugleich appelliert der Imperialismus aus allen Rohren, Radio- und Fernsehkanälen an die "Volksgemeinschaft", doch bitte geschlossen "den Euro" und "Europa" (gemeint ist die EU) und im Grunde den Kapitalismus als Gesellschaftsordnung zu verteidigen. Dafür "Opfer zu bringen", die vermeintlich "unabdingbar" gebracht werden müssen, wie es in Deutschland jeden Tag auf's Neue zum Beispiel der deutsche Bundesfinanzminister Schäuble unablässig herunterleiert.

 

Daß die griechischen Genossen und Kollegen von der Akropolis aus mit roten Fahnen weltweit alle proletarischen Klassenbrüder zur Solidarität mit dem Volksaufstand in Griechenland aufrufen, verschweigen die bürgerlichen Medien sehr wohlweislich. Auch wird das Ausmaß der "Krise", des Klassenkampfes im Griechenland dieser Tage verschwiegen:

 

GENERALSTREIK UND DEMONSTRATIONEN SIND ERKÄMPFTE BÜRGERLICH-DEMOKRATISCHE RECHTE DER ARBEITERKLASSE

 

In Griechenland wird heute und morgen in verschiedenen Sektoren gestreikt. Für Mittwoch und Donnerstag hat die der KP nahe stehende Gewerkschaft PAME zu einem 48-stündigen Ausstand aufgerufen. Morgen (22. April) werden zahlreiche Beamte einem Streikappell ihrer Gewerkschaft Öffentlicher Dienst, ADEDY, zu einem 24-stündigen Streik folgen. Wegen der Kundgebungen am Donnerstag, auf dem Syntagma- sowie auf dem Klafthmonosplatz, dürfte es im Zentrum Athens zu Verkehrsbehinderungen kommen. Auch in anderen Städten des Landes wird es Streikaktionen geben. Wegen der Beteiligung von Ärzten am ADEDY-Streik sind auch Krankenhäuser betroffen. Anschließend werden sich auch die Angestellten der Kommunalverwaltung, der Finanz- und Zollämter sowie der Versicherungskassen beteiligen. Das Lehrpersonal an Schulen sowie an Hochschulen streikt morgen ebenfalls; weitere Aktionen wurden von dieser Berufsgruppe bereits für den 4. und 5. Mai angekündigt. Zu Problemen kommt es auch im Schiffsverkehr. Trotz der Deklarierung eines 48-stündigen Streiks als gesetzwidrig will die Vereinigung der Schiffsingenieure der Handelsschifffahrt PEMEN, die der KP nahe steht, ein Auslaufen von Schiffen verhindern. Im Zentrum der Kritik von Arbeitern und Angestellten stehen der Sparkurs der Regierung sowie geplante Änderungen im Sozialversicherungssystem. (Griechenland Zeitung) (1)

 

Lassen wir uns also nicht von den Bildern blenden, die in Presse und Fernsehen den Eindruck erwecken, "die Griechen" würden zu Mord und Totschlag greifen und fanatisch geworden sein. Nein, so ist es nicht! Sehr große Teile des griechischen Volkes demonstrieren friedlich und beteiligen sich an friedlichen Streikaktionen. Dies alles in Wahrnehmung bürgerlich-demokratischer Rechte, was zu betonen ist.

 

DER STÄNDIGE VERSUCH DER KRIMINALISIERUNG EINER HALBEN MILLION FRIEDLICH PROTESTIERENDER UND STREIKENDER GRIECHISCHER ARBEITER VOR DER WELTÖFFENTLICHKEIT

 

Die Gewalt kommt "von oben". Polizei knüppelt und setzt Tränengas ein, dies immer wieder gegen friedliche Demonstranten. Zugleich treiben im Auftrage von Polizei und geheimdienstlich gelenkt Provokateure ihr schmutziges Unwesen, indem sie Vorwände liefern, damit die bewaffnete Staatsgewalt mit brutalen Mitteln losschlägt.

 

Wir Kommunisten erklären uns hochsolidarisch mit unseren kämpfenden Genossen vor Ort in Athen und den griechischen Großstädten. Wir wünschen ihnen Erfolg an der Spitze der griechischen Arbeiterklasse, welche sich wehrt, welche sich nicht einfach ein Viertel und mehr vom Lohn klauen läßt. Wir wünschen dem griechischen Volk, daß es gelingt, die bürgerliche Regierung zu entmachten und durch eine Volksregierung zu ersetzen, in welcher die Kommunisten das Sagen haben. Denn nur die Kommunistische Partei Griechenlands vertritt die Klasseninteressen der Arbeiterklasse und ist imstande, sie zur Erfüllung ihrer historischen Mission zu führen.

 

Wir Kommunisten rufen alle Menschen in Deutschland und EU-weit dazu auf, dem Imperialismus nicht auf den Leim zu gehen, weder am Euro noch an der Herrschaft der großen Finanzoligarchen-Clans zu hängen. Diese EU ist ein reaktionäres Bollwerk gegen den gesellschaftlichen Fortschritt, dessen Richtung die sozialistische Gesellschaft im Weltmaßstab ist. Wir alle erleben, wie verrottet, wie stinkend, wie faulend diese bürgerliche Geldgesellschaft ist, in der unterdrückt und niedergeknüppelt und ermordet werden soll, wer gegen sie aufsteht. Wie kann man da nur zum Speichellecker einer solchen Barbarei verkommen?!

 

Hoch die internationale Solidarität mit Griechenlands streikenden Arbeitern!

 

Es lebe die Kommunistische Partei Griechenlands!

 

Für Frieden und Sozialismus, gegen Krieg und Kapital!

 

Jens-Torsten Bohlke

 

 

 

(1) http://www.olympion.de/dein-griechenland-forum/showthread.php?2861-Streiks-in-Griechenland&p=10242#post10242

 

(2) ZDF-Berichterstattung aus Griechenland in diesen Tagen

 

(3)  http://de.wikipedia.org/wiki/Gladio

 

(4) ↑ a  b  c  Katrin Holenstein: CIA finanzierte staatlich organisierten Terror. In: Basler Zeitung. Basel 16. Dezember 2004, S. 4 (PDF, abgerufen am 20. Juli 2008).

 

(5) ↑ Daniele Ganser: Fear as a Weapon. The Effects of Psychological Warfare on Domestic and International Politics. 9, Nr. 4, World Affairs, 2005, S. 40 (PDF, abgerufen am 20. Juli 2008).

 

(6) ↑ a  b  c  Daniele Ganser: NATO’s Secret Armies: Operation Gladio and Terrorism in Western Europe: An Approach to NATO’s Secret Stay-Behind Armies. Cass, London 2005, ISBN 3800032775, S. 195

 

(7) ↑ a  b  ENTSCHLIESSUNG zur Gladio-Affäre. In: Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaften. Nr. C324, 24. Dezember 1990, S. 201 (JPG, abgerufen am 20. Juli 2008).)

 

(8) http://www.seite3.ch/EU+Geheimarmee+gegen+Demonstranten+in+Griechenland+/430897/detail.html*

 

 

Video zu EUROGENDFOR (englisch):

 

http://www.youtube.com/watch?v=L6nt730_F2Q&feature=player_embedded