Thälmanns Vermächtnis – Kampf um die Aktionseinheit der Arbeiterklasse

 

Am 15.08.2010 fand in Halle eine Kundgebung zu Ehren von Ernst Thälmann aus Anlaß des 66. Jahrestages seiner Ermordung statt. Der Vorsitzende der Kommunistischen Partei Deutschlands, Genosse Dieter Rolle, führte in seiner Rede u. a. aus:

„Liebe Genossinnen und Genossen! Liebe Mitstreiter, liebe Freunde und Sympathisanten von Ernst Thälmann!

 

Wir haben uns heute an dieser Gedenkstätte zusammengefunden, um Ernst Thälmanns, des großen Revolutionärs der deutschen Arbeiterbewegung, der zum Symbol des Kampfes gegen Faschismus und imperialistischen Krieg wurde, anläßlich des 66. Jahrestags seiner Ermordung zu gedenken.

 

Gestattet mir zu Beginn meiner Ausführungen, daran zu erinnern, daß am 18.08. vor 3 Jahren der Abriß dieses Denkmals zur Debatte stand. In einer großen Aktion haben damals Genossinnen und Genossen nicht nur dafür gewirkt, daß es von Graffiti und das Umfeld vom Unrat gesäubert wurde, sondern auch der Kampf gegen den Abriß geführt wurde.

 

Heute versammeln wir uns immer noch am Denkmal unseres Ernst Thälmann und deshalb möchte ich im Namen des ZK der KPD all den linken Kräften den herzlichsten Dank aussprechen, die dazu beigetragen haben, daß es bis heute erhalten geblieben ist.

 

Denn das ist gar nicht so selbstverständlich in dieser BRD. So werden immer noch Denkmäler geschliffen, wie unlängst die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte in Ziegenhals. Das ist eine politische Schande sondergleichen, denn die das zuließen, ob sie es begreifen wollen oder nicht, geben den Nazis von heute Wasser auf die Mühlen. Entlarvender können sich die Oberen heutigen Tages kaum darstellen, denn sie bringen politischen und kulturellen Frevel über Deutschland in ihrem blindwütigen Antikommunismus. Wollen sie doch zugunsten Ihrer Ordnung der Kriege und Ausbeutung die opferreiche Geschichte des Kampfes der deutschen Arbeiterklasse verdrängen. Wir versichern heute erneut: Das wird Euch nicht gelingen!

 

Wir unterstützen deshalb und stehen voll und ganz hinter dem Aufruf des Freundeskreis „Ernst-Thälmann-Gedenkstätte“ e. V., in dem es u. a. heißt:

 

„Unsere Antwort auf den Abriß der Ernst-Thälmann-Gedenkstätte: Wir zeigen die Ausstellung im ganzen Land, bis sie am historischen Ort in Ziegenhals wieder aufgestellt werden kann.

Die erste Kundgebung in Ziegenhals nach der üblen Schleifung der antifaschistischen Ernst-Thälmann-Gedenkstätte beginnt am 22. August dieses Jahres um 11.30 Uhr.

Wir bitten um zahlreiches Kommen!“

 

An die Adresse derjenigen, die ihn zum wiederholten Male ermorden wollen:

Wir werden noch Ernst Thälmann und seiner Genossen in unserem antifaschistischen Kampf in Ziegenhals oder an anderen historischen Orten gedenken und Folgerungen ableiten, wenn von Eurer Tätigkeit als Politiker keine Rede mehr sein wird und ihr in den Orkus der Geschichte gespült wurdet.

 

 

 

Genossen und Freunde!

 

Ernst Thälmann, Teddy wie ihn seine Genossen und Freunde liebevoll nannten, wurde am 16. April 1886 in Hamburg geboren. Sein ganzes Leben war vom Kampf für die Befreiung des Menschen vom kapitalistischen Joch der Ausbeutung und Unterdrückung geprägt. Ob als Funktionär in den Gewerkschaften, in der SPD, der USPD und seit 1920 in der KPD, an deren Spitze er seit 1925 stand.

 

Seit 1924 gehörte er dem Führungsgremium der Kommunistischen Internationale, dem Exekutivkomitee an.

 

Ernst Thälmann war Mitglied der Hamburger Bürgerschaft und seit 1924 Reichstagsabgeordneter. Zweimal kandidierte er für das Amt des Reichspräsidenten.

 

Durch seinen Kampf an der Seite der Ausgebeuteten, Unterdrückten und Entrechteten, seine antiimperialistische, antimilitaristische und internationalistische Haltung sowie durch seine moralische und menschliche Standhaftigkeit und Unbeirrbarkeit ist er zum Vorbild für einen Revolutionär geworden. Er gab und gibt uns auch heute als Kommunist ein Beispiel für unseren eigenen Kampf.

 

Wir betrachten sein Wirken für eine proletarische Einheitsfront, seinen Ruf zu einer Massenbewegung gegen Krieg, Faschismus und soziales Elend, seine Aufforderung zu der genannten antifaschistischen Einheitsfront als Impuls für das heutige Handeln aller Linken, Ausgebeuteten und sozial engagierten Leute.

 

Denn Ernst Thälmann und seine Genossen hier und heute zu ehren, kann für uns nicht heißen, uns vor Taten und Opfern einfach nur zu verneigen und dank zu sagen für ihren Kampf um eine neue menschliche, gerechte und das heißt sozialistische Gesellschaft. Denn wir haben nicht gesiegt. Noch nicht. Deshalb haben wir allen Grund, Ernst Thälmann und damit auch uns zu versprechen, den Kampf in seinem Geist weiterzuführen.

 

Genossen!

 

Ernst Thälmann hatte im politischen Kampf für die Rechte des arbeitenden Volkes stets darauf hingewiesen, daß die Arbeiterklasse, das schaffende Volk, im Bündnis mit der Bauernschaft die wahren Produzenten des gesellschaftlichen Reichtums sind.

 

Deshalb forderte er eine sozial gerechte Ordnung, in der gesellschaftliches Eigentum an den Produktionsmitteln, Volkseigentum und die Macht der Arbeiterklasse im Staat die alte verkommene Ordnung ablösen muß. Dies beachteten die Erbauer des Arbeiter- und Bauernstaates DDR.

 

Um den Einfluß der um Arbeiterrechte in den Betrieben kämpfenden Arbeitervertretungen zu erhöhen, orientierte Thälmann auf aktive Betriebszellen der KPD in den kapitalistischen Konzernen und Betrieben. Die zur Massenpartei sich entwickelnde KPD konnte sich schließlich auf 2.210 solcher Zellen stützen.

 

Ernst Thälmann war nicht nur Ankläger gegen die verfaulende Gesellschaftsordnung, er war nicht nur Kämpfer gegen Revanchepolitik und Rassenhaß, sondern, er entwickelte zugleich das große Programm des Kampfes um die Gestaltung eines neuen, eines besseren Deutschlands.

 

Diese Programmerklärung zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes der KPD vom August 1930, verband „den Kampf gegen Versailles und gegen den Young-Plan“ mit der Entlarvung „der chauvinistischen Plattform der Hitlerpartei“ und gab sozial-ökonomische Orientierung zum Kampf für die „Rettung der Werktätigen vor der drohenden Katastrophe.“ ...

 

„Ernst Thälmann begründete ... die Teilforderungen ..., wie Änderung der Steuerpolitik, Schaffung einer neuen Sozialversicherung, Arbeit für die Erwerbslosen, Gleichberechtigung der Frauen und werktätigen Jugend.“

 

„Die Schaffung der Aktionseinheit der Arbeiterklasse ..., d. h. in erster Linie die Aktionseinheit der kommunistischen und sozialdemokratischen Arbeiter und Gewerkschaftsmitglieder“ hin zur Einheitsfront gegen Sozialabbau, Arbeitslosigkeit, Krieg und für Freundschaft mit allen friedliebenden Völkern, waren die einzigsten Bedingungen die die KPD der SPD-Leitung vorschlug. „Erfüllt von dem Willen, die Einheitsfront mit den sozialdemokratischen Genossen herbeizuführen, führte Ernst Thälmann eine Beratung mit sozialdemokratischen Arbeitern durch, in der er auf 21 Fragen von SPD-Arbeitern antwortete.“

 

Und so traf er sich am 8. Juli 1932 im Karl-Liebknecht-Haus in Berlin mit 20 sozialdemokratischen Arbeitern (langjährige Funktionäre der SPD und des Reichsbanners), um über die antifaschistische Aktion zu beraten.

 

Die Sozialdemokraten fragten z. B., ob die KPD die Einheitsfront ehrlich meine. Ernst Thälmann antwortete: „Täglich mordet die braune Pest unsere Genossen, schlägt unsere besten Kämpfer nieder, unternimmt provokatorische Angriffe auf unsere Parteihäuser; das Hitlersche Offiziers- und Prinzenpack hat erklärt, daß es die kommunistische Bewegung ausrotten, hängen, köpfen und rädern will. Und angesichts dieser Tatsache, angesichts der drohenden Gefahr, daß aus Deutschland ein Land des Galgens und des Scheiterhaufens wird, sollten wir Kommunisten die antifaschistische, proletarische Einheitsfront nicht ehrlich meinen?“

 

Das sei auch ins Stammbuch derjenigen geschrieben, die unsere heutigen Bemühungen um Aktionseinheit unterlaufen wollen.

 

Als 1932 die Gefahr der faschistischen Diktatur immer näher rückte, warnte er bekanntlich völlig richtig: „Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler und wer Hitler wählt, wählt den Krieg“.

 

Um das zu verhindern, rief die KPD eben z. B. im April 1932 zur Antifaschistischen Aktion der Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter und anderer Nazigegner. Aber die Führung der SPD und der Gewerkschaften lehnten ab und verhinderten die einzige Kraft, die mit Sicherheit die Errichtung der faschistischen Diktatur hätte verhindern können.

 

So erfolgte der Sturz des Hitlerregimes eben nicht durch die Arbeiterklasse und die vereinten Antifaschisten. Er war das Ergebnis des Sieges der Roten Armee und der Antihitlerkoalition, der Völker der Sowjetunion unter der Führung der KPdSU und J. W. Stalins. Dieser Sieg machte den Weg frei für die antifaschistische Demokratie im Osten Deutschlands.

 

Zu den bedeutungsvollsten Leistungen des Vorsitzenden der KPD gehört aber auch seine letzte Rede vor dem ZK, das illegal am 7. Februar 1933 in Ziegenhals tagte. Er sagte u. a.: „Wir müssen in der ganzen Arbeiterklasse darüber Klarheit schaffen, daß es wahrscheinlich keine andere Art der Ablösung dieser Regierung geben kann, als ihren revolutionären Sturz.“ 

 

Er zeigte also die große Gefahr des an die Macht kommenden Faschismus auf und rief erneut alle demokratischen Kräfte zum Massenkampf in Aktionseinheit dagegen auf.

 

Ernst Thälmanns ungebrochene Freundschaft zu den Völkern der Sowjetunion, zeigte sich auch nach über 8 Haftjahren, als er auf die Vorhaltung seiner Bewacher, „bald sei der Sowjetsozialismus niedergerungen“, antwortete: „Stalin bricht Hitler das Genick!“

 

Dieser kleine, bei weitem nicht vollständige Auszug aus Thälmanns politischem Wirken zeigt uns heute wie damals, warum die vom deutschen Finanz- und Wirtschaftskapital finanzierte Hitler-Clique unseren „Teddy“ umbringen ließ.

 

Die Welt hat sich seit Ernst Thälmanns Ermordung sehr verändert. Es wäre für ihn aber wahrscheinlich nicht schwer, die neue Klassenkonstellation der Weltgeschichte als eine alte Bekannte zu erkennen, ebenso wie die Gegner des Fortschritts und des Sozialismus. „Ich hätte gedacht, ihr seid schon weiter“ hätte er vielleicht gesagt. Warum „Bekannte“?

 

Es ist die gleiche Klassenlinie, die den Faschismus förderte und den 2. Weltkrieg als einen Weltherrschaftskrieg vom Zaun brach, die sich in die Gegenwart zieht und die nach 1945 imperialistische Kriege zur Beherrschung der Welt führte. Allein die USA-Kriege nach 1945 forderten etwa 15 Millionen Tote. Durch aberwitzige Hochrüstung und Bedrohungsszenarien leisteten USA und NATO unter der Losung „Totrüsten“ den auch internationalen Abrüstungsverträgen Hohn sprechenden militärischen Beitrag zum Ende des realen Sozialismus.

 

Es ist die gleiche Klassenlinie, die in den letzten Jahren der Weimarer Republik auf Krisen mit Monopolpreisen und Massenarbeitslosigkeit antwortete, mit Verelendung, Lohn- und Gehaltssenkungen, mit Abbau sozialer Rechte, die in die neoliberale Politik des Sozialraubs, Tarifbrüchen. Steuerbelastungen, Rentenkürzungen, Arbeitszeitverlängerungen, Gesundheitsabstrichen etc. führt, d. h. zur ungeschminkten Rückkehr des Manchesterkapitalismus.

 

Es ist die gleiche Klassentradition, die Thälmann ins Gefängnis warf und in der die Bundesrepublik mehr Prozesse und Ermittlungsverfahren gegen Kommunisten als gegen Nazikriegsverbrecher einleitete. Das gleiche gilt heute für die Ahndung sogenannten „DDR-Unrechts“, für den der Eifer zu bestrafen, nicht zu überbieten ist. Das gilt auch für das Schandurteil, die Partei „Die LINKE“ weiterhin bespitzeln zu dürfen.

 

Völlig anders gestaltete sich, wie wir wissen, der Aufbau des 1. deutschen Arbeiter- und Bauernstaates DDR, der ganz im Zeichen von Gerechtigkeit, Gleichheit, befreiter Arbeit und Völkerfrieden nach Gründung der kapitalistischen BRD geschaffen wurde.

 

Wir Erbauer dieser Staatsordnung halten fest:

 

40 Jahre Deutsche Demokratische Republik, war das Beste, was die revolutionäre deutsche Arbeiterbewegung im festen Bündnis mit allen Teilen des Volkes, auf deutschem Boden schuf.

 

Die erfolgreiche Entwicklung, ganz im Interesse der Volksmassen, und die hoch geachtete internationale Ausstrahlung auf die nationalen Befreiungsbewegungen und jungen Nationalstaaten in der Welt, das war die Verwirklichung des Thälmannschen Vermächtnisses, leider nur auf einem Teil deutschen Bodens.

 

Wir kämpfen auch gegen den unter sogenannten „Linken Historikern und Politikern“ modern gewordenen Opportunismus und Revisionismus, mit dem die historische aktuelle Würdigung Ernst Thälmanns beschädigt werden soll.

 

Der Historiker Lothar Berthold, der zu den Verteidigern des Vermächtnisses Ernst Thälmanns gehört und zu Recht eine Professur in der DDR erhielt, setzte sich wissenschaftlich parteilich mit diesen „Schreiberlingen“ im Oktober 2000 auseinander. Er brachte den lehrreichen Inhalt der Verteidigung und Würdigung der Persönlichkeit Thälmanns auf den Punkt, indem er u. a. feststellte: „Nach dem Sieg der Konterrevolution in der ... Deutschen Demokratischen Republik und nach dem Untergang des ersten sozialistischen deutschen Staates gehörte die Schlammschlacht gegen Ernst Thälmann zum ideologischen Großangriff auf die DDR und ihre Geschichte, ihre Bürger und den Sozialismus.

Antikommunisten, alte wie neue, ... begannen eine widerliche Anti-Thälmann-Kampagne. An ihre Seite gerieten – ob gewollt oder ungewollt – Wendehälse, darunter akademisch graduierte Aktenfetischisten, die gestern richtig Geschriebenes und Gelehrtes plötzlich in das Gegenteil verkehrten, das wirkliche Leben nicht mehr wahr haben wollten und den Klassenkampf vergaßen.“

 

Heute versuchen Rechte, wie auch manche „Linke“ – diese sogar mit Mitteln der Rosa-Luxemburg-Stiftung – selbsternannte „Wissenschaftler“ bzw. „Historiker“, unserem Ernst Thälmann Geschichtslügen, Verdrehungen von Daten, haarsträubende Erfindungen zu unterstellen, so daß sich aufrichtige Arbeiter und Wissenschaftler ekelgeschüttelt abwenden.

 

Ernst Thälmann heute zu ehren, heißt deshalb auch nach schweren Niederlagen die Erfahrungen dieses Klassenkämpfers zu achten und der Arbeiterklasse, den Volksmassen nahe zu bringen, verständlich und überzeugend. Sein Vermächtnis wurde bekanntlich in der DDR über Jahrzehnte hochgehalten. Zahlreiche Straßen, Schulen, Betriebe und andere Einrichtungen trugen seinen Namen. Mit der Schleifung von Denkmalen bzw. Streichen seines Namens wird Ernst Thälmann, sein Ansehen, wie genannt, versucht durch Verunglimpfungen, Verleumdungen, Lügen und Diffamierungen in Mißkredit zu bringen.

 

Und die gesellschaftliche Entwicklung in der vergrößerten BRD, wie in Europa, zeigt uns auch deutlich, daß Massenarbeitslosigkeit und Sozialabbau, Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, Kriegsbeteiligungen bei Friedensbeteuerungen und Freiheitsgeschrei, eine dem Wesen nach kaum veränderte politische und soziale Situation für die Arbeiterklasse, alle Lohnempfänger gebracht hat. Ja, deutsche Soldaten „kämpfen“ für Kapitalinteressen wieder im Ausland.

 

Genossen!

 

Es ist auch die gleiche Klassenlinie, die der Weltpolizeistaat USA vertritt, der mehr Militärs auf über 800 Stützpunkten im Ausland hat als Diplomaten und Händler außerhalb seiner Grenzen, und der mit seiner Militarisierung der Innen- und Außenpolitik weder Folter noch gröbste Menschenrechtsverletzungen scheut.

 

Es ist auch dieselbe Klassenlinie, die heute Gedenkstätten der Lügen errichtet wie in Hohenschönhausen, um die DDR als Unrechts-, als Folterstaat vorzuführen. Doch für Folter gibt es in der ganzen Geschichte der DDR keinen einzigen Anhaltspunkt. Entsprechend gibt es in den an politischen Prozessen so reichen letzten 20 Jahre auch keine einzige Verurteilung wegen Folter, ja nicht einmal ein Ermittlungsverfahren, wie selbst der frühere Generalstaatsanwalt Schaefgen feststellte.

 

Statt dessen aber wird voraussichtlich im Frühjahr 2011 der Ausbau der „Stasiopfer“-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen beginnen. Es soll eine Dauerausstellung sowie Foyer, Buchladen, Seminarräume, Garderoben und ein Besucher-Café bekommen. Diesem „Projekt“ stellen der Bund und das Land Berlin 16,2 Millionen € bereit. Auf zur weiteren Hetzjagd, denn dafür ist Geld da.

 

Und es ist die gleiche Klassenlinie  der Verdummung durch die Medien wie sie auch Thälmann schon in der Weimarer Republik erfahren mußte, z. B. bei der Verharmlosung des Faschismus und der Verteufelung der Kommunisten, dem RFB-Verbot einerseits und „SA marschiert“ zum anderen. Zweierlei Maß wird angewendet. Wer da nicht vergleicht und aufrechnet, stellt sich künstlich dumm.

 

Das alles zeigt uns, daß die Weltanschauung, also unsere, der Vorkämpfer, der Marxismus/Leninismus hoch aktuell ist. Das zeigt aber auch, daß die Feinde noch existieren, die Thälmann ermordeten, die den Faschismus errichteten, die für die 50 Millionen Toten des 2. Weltkriegs, für Holocaust und Kommunistenverfolgung Verantwortung trugen.

 

Natürlich hat die faschistische Gefahr heute ein anderes Gesicht, aber sie ist unverändert mit imperialistischen Krieg, Antikommunismus, Weltherrschaftsplänen und einem Missionarismus der Werte Amerikas verbunden, der nicht weit von Herrenrassenideologie entfernt ist. Und wenn Brecht in seinem Arturo Ui einst mit dem Satz endete: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“, so meinte er damit nicht nur ein paar Glatzköpfe und Stiefelträger, sondern das imperialistische System selbst.

 

Die faschistische Gefahr zeigt sich heute im wachsenden Nationalismus, Rassismus und Größenwahn der Herrschenden auch dieses Landes, im Abbau demokratischer Rechte und schließlich auch im brutalen Auftreten des braunen Mobs, der endlich verboten werden muß.

 

Unter dem Namen des „Guten gegen das Böse“, der „Verteidigung der Menschenrechte“, des „Kampfes gegen Terrorismus“ und der „humanitären Intervention“ herrscht heute in den USA und den führenden westlichen Staaten – so auch der BRD – zwar keine „offene faschistische Diktatur“, doch das Verschleierungsvokabular ihrer Politik dient vornehmlich dem Zweck, ihren immer faschistoider werdenden Charakter zu vertuschen.

 

Von den USA und ihrer Weltordnungspolitik gehen Gefahren aus, die denen entsprechen könnten, die einst vom deutschen und internationalen Faschismus ausgingen. Wer 60 Staaten zu Schurkenstaaten erklärte und neue Feindbilder wie den Islam produziert, hat den geistigen Weltbrand bereits entfacht. Profan erweist er sich als Kampf um Profit, um Ressourcen, um Öl.

 

Genossen!

 

Nichts ist heute aktueller, als die Erinnerung an die Appelle Ernst Thälmanns, das Bündnis auch gegen den heute aufkommenden Faschismus zu schmieden, als sein Aufruf zur Antifaschistischen Aktion. Denn sie wird auch heute benötigt, um der Gefahr des Demokratie- und Sozialabbaus wirksam zu begegnen.

 

Deshalb rufen wir, gerade auch im 20. Jahr der Einverleibung der DDR in die BRD, alle Linken, antifaschistischen und demokratischen Kräfte zu gemeinsamen Aktionen – auf der Grundlage der verabschiedeten Erklärung der Konferenz für Aktionseinheit am 15. Mai 2010 – auf.

 

è     angesichts der wachsenden sozialen Ungleichheit,

è     angesichts der wachsenden Zukunftsängste und der Verarmung immer größerer Teile der Bevölkerung,

è     angesichts des Erstarkens des Neofaschismus,

è     angesichts der Forcierung des Antikommunismus in allen gesellschaftlichen Lebensbereichen,

è     angesichts der militärischen Hochrüstung und der weltweiten Einsätze der Bundeswehr

wenden wir uns an linke Parteien, antifaschistische Organisationen und Vereinigungen mit der Bitte, solche Aktionen zu unterstützen und mit Eurem aktuellen politischen Kampf zu verbinden. Nur gemeinsam sind wir stark und nur gemeinsam werden wir immer stärker werden.

 

1943 verlegte die Hitlerjustiz Ernst Thälmann in das Zuchthaus Bautzen. Dort schrieb er als Kassiber Anfang 1944 einen langen Brief an einen jungen Mithäftling, der ihn um Rat gebeten hatte. Dieser Brief ist uns sowohl in Thälmannscher Abschrift als auch im Original erhalten geblieben. Er ist sein letztes schriftliches Zeugnis.

 

„Gewiß, wir sind auch keine Unschuldsengel, die unbelastet und unbeschwert von allem dastehen. Auch wir haben in der Vergangenheit schwere und teilweise große politische Fehler gemacht. Leider manches versäumt und unterlassen, was wir in dem verschlungenen Wirrwarr des Zeitgeschehens hätten tun müssen um dem Faschismus den Weg zur Staatsmacht zu versperren“ - Und was jetzt folgt wird meist verschwiegen. - „Wir haben unsere Fehler erkannt, durch Selbstkritik offen ausgesprochen, sie korrigiert und haben neue Wege auf dem Gebiet der Politik, der Propaganda und des Massenkampfes eingeschlagen. ... Insbesondere unser unausgesetztes Opfer im Kampf gegen den Faschismus, sind und bleiben ein großes Plus für unsere Politik und haben uns Vertrauen gebracht. Der Größe eines politisch handelnden Menschen wird man nur dann ganz gerecht, wenn man ihn nicht allein danach beurteilt, was er erreicht, sondern auch danach, was er gewollt hat.“

 

Ernst Thälmann faßt an anderer Stelle des Briefes sein Leben so zusammen:

 

„Mein Leben und Wirken kannte und kennt nur eines: Für das schaffende deutsche Volk meinen Geist und mein Wissen, meine Erfahrungen und meine Tatkraft, ja mein Ganzes, die Persönlichkeit zum Besten der deutschen Zukunft für den siegreichen sozialistischen Freiheitskampf im neuen Völkerfrühling der deutschen Nation einzusetzen!“ Er schloß den Brief: „Die Geschichte unseres Lebens ist hart, deshalb fordert sie ganze Menschen. ... Soldat der Revolution zu sein heißt: Unverbrüchliche Treue zur Sache halten, eine Treue, die sich im Leben und Sterben bewährt, heißt unbedingte Verläßlichkeit, Zuversicht, Kampfesmut und Tatkraft in allen Situationen zeigen. ... Treu und fest, stark im Charakter und siegesbewußt im Handeln, so und nur so werden wir unser Schicksal meistern und unsere revolutionären Pflichten für die große, historische Mission, die uns auferlegt ist, erfüllen und dem wirklichen Sozialismus zum endgültigen Sieg verhelfen können.“

 

Das war, das ist Ernst Thälmanns Vermächtnis an seine Partei, an alle deutschen Kommunisten und Antifaschisten, an alle friedliebenden Menschen.

 

Ich danke Euch.“