Ostdeutsche schwer umerziehbar
Berlin. 90 Prozent der Ostdeutschen sind der Ansicht, im Zuge des Anschlusses
der DDR an die BRD vom Westen übervorteilt worden zu sein. Dies geht aus einer
am Donnerstag vorgestellten Studie im Auftrag der Linkspartei hervor. So
meinen fast neun von zehn Ostdeutschen, die Treuhandanstalt habe vor allem
Westdeutschen einen billigen Zugang zu DDR-Betrieben und deren Grund und Boden
ermöglicht. Zwei Drittel vertreten die Ansicht, daß die Treuhandanstalt eine
der ersten »Heuschrecken« war. 57 Prozent der Befragten stimmten der Aussage
zu: »Gerechtigkeit und Kapitalismus schließen sich aus.«
Gegen eine Gleichsetzung der DDR mit der Nazidiktatur wehren sich rund drei
Viertel der Bürger in den neuen Ländern: 64 Prozent erkennen zwar an, daß die
DDR eine Diktatur war, lehnen aber eine Gleichsetzung ab, da sie keinen Krieg
angezettelt und keinen Völkermord begangen habe. 19 Prozent halten eine
Gleichsetzung für gerechtfertigt. Zehn Prozent meinen, die DDR war gar keine
Diktatur. Weiter konstatiert die Studie bei 25 Prozent ein »einseitig
positives DDR-Bild«, bei 15 Prozent ein »überwiegend negatives«. 31 Prozent,
vor allem jüngere, seien in bezug auf die Vergangenheit »desinteressiert« oder
»fremdorientiert«. (ddp/jW)