EUROPA IM ARGENTINISCHEN SPIEGEL:
Wo IWF-Köhler einst Hungermärsche verordnete, während er heute „Deutschland liebt“
übersetzt von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Havanna, 18. Mai 2010, Cubadebate. Nachdem das Krebsgeschwür des „neoliberalen Virus“ im Herkunftsland USA seine Metastasen gebildet hatte, um mal die Ausdrucksweise von Samir Amin zu gebrauchen, steckte dieser Krebs Europa an. Angesichts der nicht mehr zu übersehenden Symptome der Finanzkrise reagierten die Finanzmärkte mit einer explosiven Mischung aus Raubgier und Irrationalität. Sie offenbarten ihre Skepsis hinsichtlich der Rezepte eines Auswegs aus der Finanzkrise, wie sie von der G20, dem IWF oder der Weltbank erarbeitet worden waren. Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) Jean-Claude Trichet erklärte ganz offenherzig, dass „die von EU und IWF bewilligte Rettungsaktion von einer Billion Dollar nur gut genug ist, um ein wenig Zeit zu gewinnen“. Diese Auffassung wurde vom Hauptökonom der EZB Jürgen Stark ebenfalls vertreten. Er sagte darüber hinausgehend noch, dass „wenn die Märkte verrückt spielen, niemand die Folgen vorhersehen kann.“
Der strukturbedingte und dauerhafte Charakter der Finanzkrise ist offenbar. Ihre Ausmaße sind gigantisch groß. In Griechenland beträgt das Haushaltsdefizit im Verhältnis zum BIP 14%. In Irland sind es fast 15%. In Spanien 12%. In Portugal mehr als 9%. Und in Großbritannien, von dem bisher noch zu wenige sprechen, ist das Haushaltsdefizit im Verhältnis zum BIP nur Kommastellen unter dem des derzeit völlig krisengeschüttelten Griechenland, d.h. 13%. Diese Zahlen stehen im brutalen Kontrast zu den Vorgaben des bereits unhaltbar gewordenen Maastricht-Vertrages. Laut diesem Vertrag verpflichteten sich die Unterzeichnerstaaten der EU, ihr Haushaltsdefizit auf 3% zum BIP zu begrenzen. Dies alles ereignet sich, weil vor Ausbruch der Weltwirtschafts- und Finanzkrise im Frühjahr 2008 die Regierungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und den staatlichen Banken auftrugen, die von der bereits um sich greifenden schweren Wirtschaftskrise erfassten Großkonzerne „zu retten“. Dies genauso, wie es in den USA Bush und Obama getan haben, welche vormachten, dass die Doktrin der „Autonomie der Zentralbank“ eine Fassade ist, nur bestimmt für den Unterhalt der unterworfenen Regierungen an der Peripherie.
Das Problem von diesen „Rettungsgeldpaketen“ besteht darin, dass sie eher früher als später zu gigantisch aufgetürmten Schuldenbergen der sich darauf einlassenden Regierungen und Länder werden, was dann wiederum ein nicht mehr beherrschbares gewaltig hohes Anwachsen des Haushaltsdefizits bewirkt. Wenn noch vor wenigen Wochen der IWF den Haushaltsdefiziten der entwickelten Länder überhaupt keine Beachtung schenkte (zu Zeiten, wo der IWF für unvergleichlich sehr viel kleinere Haushaltsdefizite seine Diktate irgendwelchen Entwicklungsländern aufzwang), erregte dieses ganze Überschuldungsproblem der Staatsfinanzen keine größere öffentliche Aufmerksamkeit. Abgesehen von wenigen wirklich kundigen Beobachtern der Entwicklung, welche nicht auf die Unkenrufe der imperialistischen Gurus hereinfallen, welche sich noch vor einem Jahr darin überboten, Anzeichen für das sichere Ende der Weltwirtschafts- und Finanzkrise bemerkt zu haben.
Waren dies nur „unverantwortliche Scharlatane“? Dieselben, die in Argentinien im März 2002 vorhersagten, dass bis Jahreswechsel der Dollar sich bei einem Umtauschkurs von 12 bis 14 Pesos einpegeln würde. Jetzt geschieht genau dasselbe: Ihnen rutscht der Boden unter den Füßen weg. Der Euro sinkt steil nach unten. Die Euro-Zone steht an einem Punkt, wo ihre Auflösung in die öffentliche Diskussion Eingang findet. Einsetzende Endzeitstimmung. Und den bürgerlichen Regierungen fällt wieder kein anderer Ausweg aus der Krise ein, als die Arbeiterklasse zahlen zu lassen. Das gesellschaftliche Klima in der EU wird ständig konfliktgeladener, wie es seit den Ereignissen von 1968 nicht mehr der Fall in jenen Ländern gewesen ist. Einige Beobachter meinen gar, dass es seit den revolutionären Massenbewegungen nach dem 1. Weltkrieg in Europa so ein Konfliktpotential nicht mehr gegeben hat.
Der Vorschlag an Griechenland und Spanien seitens des IWF beinhaltet dasselbe wie in Lateinamerikas Schuldenländern zwischen 1980 und 1990. Die heute schon absehbaren Folgen werden dieselben sein. Die Umsetzung des IWF-Diktats beschleunigt lediglich den wirtschaftlichen und finanziellen Zusammenbruch des kapitalistischen Volkswirtschaftssystems. Damit wird der Fall Argentinien, wo Horst Köhler als IWF-Chef dieselben Rezepte „verordnete“, zum Spiegel für das, was höchstwahrscheinlich jetzt viele Länder der EU erwartet, die noch immer dem neoliberalen Lehrbuch anhängen. Das Wall Street Journal vom 12. Mai schrieb, dass „in der Euro-Zone in weniger als einem Monat der IWF aufhörte, ein Paria zu sein. Der IWF wurde dort zu einer wesentlichen Einrichtung, deren Gnade für diejenigen Länder notwendig ist, die Rettungspakete brauchen.“ Dieser wirkliche Dr. Mengele und Volkswirtschaftler ist derselbe wie zuvor geblieben, trotz seiner früheren öffentlichen gegenteiligen Verlautbarungen. Ihn wählten die EU-Behörden aus, um die Mittel zu verordnen, die die Krise lösen sollen. Daher überrascht es ganz und gar nicht, Europa am Beginn einer großen gesellschaftlichen Auseinandersetzung zu sehen. Die jeglichen Wohlstandes beraubte Arbeiterklasse, die Völker Europas werden diesem brutalen IWF-Diktat, wie wir es in Lateinamerika bereits durchgemacht haben, die gebührende Antwort erteilen.
Genau wie in Griechenland hat auch die „Anpassung“ von Ministerpräsident Rodríguez Zapatero in Spanien ihre Speerspitzen auf die Absenkung der Löhne um 5% für die Mehrheit der Arbeiter und das Einfrieren aller Leistungen für die unterhalb der Armutsgrenze Lebenden, den sogenannten „milieuristas“, gerichtet. Um nachzuweisen, dass es angeblich Kürzungen für alle gibt und diese Kürzungen einkommensprogressiv angelegt wären, beschloss die spanische Regierung, dass vom Posten des Staatssekretärs an nach oben in der Hierarchie die Einkommen um 15% gesenkt werden. Der da nie genannte drastische Unterschied bei dieser Milchmädchenrechnung besteht darin, dass der spanische Regierungschef 91.982,40 Euro Jahresgehalt erhält, was monatlich ca. 8000 Euro ausmacht. Hinzu kommt, dass er etliche Ausgaben auf die Staatskasse abwälzen kann. Eine Kürzung seines Nominalgehaltes wird ihn nur sehr geringfügig ins seiner Fähigkeit beeinträchtigen, das gutgefüllte private Sparkonto weiter zu füllen und Luxus zu konsumieren. Ganz anders sieht es dagegen bei den normal bis gering oder nichts an Arbeitslohn verdienenden vielen spanischen Arbeitern, Angestellten und Arbeitslosen aus. Niedrigbezahlte Angestellte im öffentlichen Dienst erhalten ein nach Leistungs- und Ortszuschlägen bezahltes Gehalt, welches bisher um die 2000 Euro monatlich schwankte. Hundert Euro weniger im Monat durch gekürzte Gehaltszahlung tun diesen Familien schon weh und verändern in vielen Fällen deren Lebensstandard negativ.
David Cameron, der neue britische Premierminister, ordnete eine Absenkung seiner Bezüge um 5% an. Mit seinem Jahressalär von 207.500 Pfund Sterling hat er doppelt soviel Gehalt wie sein spanischer Amtskollege, denn Cameron bekommt da den Posten als Regierungschef und obendrauf noch jenen als Parlamentsmitglied vergütet. Diese beiden Beispiele reichen, um die Philosophie zu verdeutlichen, die hinter der neoliberalen „Anpassung“ steckt.
Nicht unerwähnt darf bleiben, dass in keinem Land der EU die hohen Ausgaben für Rüstung und Militär von Einsparzwängen betroffen sind. Die moralisch verwerflichen und üblen imperialistischen Raubkriege in Irak, Afghanistan und anderswo in der Welt fallen keinesfalls einem Sparzwang der Aggressoren zum Opfer, sondern bei diesen Ausgaben wird weiterhin ständig nachgelegt und erhöht
Was reduziert wird, ist dann jedoch die Summe, welche für die internationale Zusammenarbeit und Entwicklungshilfe bestimmt ist. Spanien kürzt diesen Haushaltsposten um 600 Millionen Euro, was 8% ausmacht.
Vor diesem Hintergrund soll die telefonische Unterredung zwischen Obama und Zapatero vom 11. Mai 2010 nicht unerwähnt bleiben. Obama riet da Zapatero, entschlossene Maßnahmen einzuleiten, „um die Märkte zu beruhigen“. Diese Wortwahl ist mehr als nur ähnlich jener, welche seinerzeit Argentiniens Präsident Fernando de la Rúa angesichts der Zerstörung der Wechselkurse wählte, als er, genau wie jetzt Obama, glaubte, dass es notwendig und machbar wäre, „Beruhigung in die Märkte zu bringen“. In Wirklichkeit sind die Finanzmärkte eine Einrichtung, in welcher die Verkrampfung, die Nichthaltbarkeit und die Unvernunft die Norm sind. Es kümmert sie nicht im Geringsten, wie oft ihnen eine Gefälligkeit erwiesen wird. Denn die Clans des Finanzkapitals sind unersättlich. Sie wollen immer noch mehr. De la Rúa und Cavallo sollten dies im Dezember 2001 längst gewusst haben.
Auf den letzten Seiten des 1. Bandes von „Das Kapital“ beschrieb Karl Marx anhand lebendiger Charaktere die Natur der Kapitalisten und die Finanzmärkte. Karl Marx schrieb: „Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. ... für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens.“ Die Erfahrung nicht nur der beiden letzten Jahre gibt Karl Marx recht. Die imperialistische Weltwirtschafts- und Finanzkrise bei all dem ist gerade erst ausgebrochen. Sie beginnt sich gerade erst zu entfalten.
Kapitalismus völlig unfähig zur Lösung der Menschheitsprobleme
G20: GEFAHR DER FINANZKRISE NICHT NUR FÜR EUROPA
übersetzt von Jens-Torsten Bohlke
Havanna, 4. Juni 2010, Cubadebate. Der letzte Abschnitt der kapitalistischen Weltwirtschaftskrise brach zuerst mit dem Bankrott Griechenlands infolge Überschuldung des griechischen Staatshaushaltes aus. Diese Überschuldungskrise öffentlicher Haushalte erfasste anschließend rasch einige weitere Länder der EU wie Italien, Spanien, Portugal usw. Letztlich werden nahezu alle Mitgliedsländer der EU betroffen sein, denn lediglich Norwegen kann derzeit noch einen ausgeglichenen Staatshaushalt vorweisen.
Die Folgen dieses letzten Abschnittes der kapitalistischen Weltwirtschaftskrise sind jedoch weltweit in den Preisentwicklungen spürbar, so dass die gesamte Weltwirtschaft darunter leidet. Dies bestätigte auch Weltbankchefin Ngozi N. Okonjo-Iweala bei der Eröffnung einer Weltbank-Konferenz zur Vorbereitung des Gipfels der G20, der 20 mächtigsten imperialistischen Staaten, in Busan, der zweitgrößten Stadt in Südkorea. An dieser Konferenz nehmen die Finanzminister und Zentralbankchefs jener 20 Großmächte teil. Der nächste G20-Gipfel soll Ende Juni 2010 in Toronto in Kanada veranstaltet werden.
Die Weltbankchefin erinnerte daran, dass diese 20 reichen Länder 75% des Brutto-Inland-Produktes (BIP) der Welt Ende 2007 erzeugten. Ihre Verschuldung jedoch wird bis Ende 2014 auf 110% dieses BIP steigen. Dies selbst dann, „wenn die Ankurbelungsmaßnahmen in den nächsten Jahren zurückgezogen werden würden“.
Die Verunsicherung aus der Schuldenkrise der öffentlichen Haushalte in Europa und die steuerlichen Anpassungen in den führenden Volkswirtschaften „lässt die Fähigkeit des Widerstehens der betroffenen Länder und auch jener Länder mit niedriger Rentabilität lebendig werden, um die angestrebten Ziele der G20 nach starkem dauerhaften und ausgeglichenen Wachstum erreichen zu können.“
Ngozi unterstrich auch die Notwendigkeit für die G20, die Entwicklung der armen Länder zu unterstützen, dies auch „aus Eigeninteresse“, nicht nur wirtschaftlichem, sondern auch gesellschaftlichem und klimatischem Eigeninteresse.
Wie informierte Quellen berichteten, äußerten die Teilnehmer dieser Vorbereitungsrunde auf den G20-Gipfel ihre ernste Besorgnis hinsichtlich der Erholung der Volkswirtschaften Europas in der jetzigen Verschuldungskrise etlicher Länder und den neuen Bedingungen der harten vom Finanzkapital diktierten steuerlichen Anpassungen und Sozialkürzungen. Beim Thema Wirtschaftswachstum ging es um die neuen vom Rat für Finanzstabilität der EU unter Leitung des Direktors der Bank von Italien, Mario Dragui, vorgestellten Regeln, die auf eine Änderung der gesetzlichen Normative zum Derivathandel auf Antrag von Deutschland und Frankreich nach den jüngsten Angriffen von Spekulanten auf den Euro hinauslaufen.
Demgegenüber bestehen die Meinungsunterschiede über die Einführung einer Bankensteuer weiter. Großbritannien als einer der großen Befürworter dieser Maßnahme informierte über seinen Kanzler George Osborne, dass es bei der Diskussion über dieses Thema auf der Beratung „Fortschritte für unwahrscheinlich hält“. Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Legarde räumte der „Konsolidierung der Haushalte Priorität“ ein. Notwendig sei das „Arbeiten an drei Punkten: die Erhaltung des Wirtschaftswachstums, die Erholung der öffentlichen Finanzen und die Reformen“. Laut Einschätzung der Beratungsrunde sind sich die Finanzmärkte klar geworden darüber, dass sie das Problem der öffentlichen Schulden unterschätzten. Sie haben die Konten der Staaten unter Überprüfung gestellt, wodurch ein starkes Signal zur Reaktivierung des Finanzsystems ausgesendet worden ist.
Seinerseits äußerte der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti heute, dass Europa den „Überfluss an Regeln“ aus den letzten drei Jahrzehnten beseitigen muss oder einen „süßen Tod“ in den nächsten Jahren erleben würde. Tremonti hob hervor, dass die Deregulierung nicht die Finanzen oder die Großindustrien betreffen muss, sondern die Aktivitäten der Kleinunternehmen und die Forschung. Für Tremonti hat Europa „keine Alternativen“, weil es an sich schon „ein Luxus ist, den man sich nicht leisten kann“, angesichts der Konkurrenz durch die Entwicklungsländer. Das Erreichen der Stabilität der öffentlichen Haushalte „ist alles, was zu machen ist“. Und Wachstum ist möglich, „wenn man sich von den Lasten der Regulierungen befreit“.
(Mit Information von ANSA).
„Geld verbrannt“? Nein, Geld oder sein Wert wechselt nur den Besitzer
WEM NÜTZT DER STAATSBANKROTT EUROPAS?
„Eine gewaltige Macht und eine despotische wirtschaftliche Herrschaft liegt in den Händen derer, die das Geld kontrollieren.“ (Papst Pius XI)
übersetzt von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Havanna, 18. Mai 2010, Cubadebate. Der „Domino-Effekt" aus dem Bruch der US-Bank Lehman Brothers, einer der weltweit größten Investitionsbanken, wirkte sich seit dem 15. September 2008 auch auf Europa aus. Er bescherte Europa „eine der schlimmsten Krisen seit dem 2. Weltkrieg und 1. Weltkrieg von 1914. Dies musste der französische Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet zugeben. Er erklärte den 16 Mitgliedern der Euro-Zone nach Ausbruch des US-Finanzkollapses 2008, dass Europa der US-Rezession ausgesetzt ist. Trichet machte als Schuldigen die USA aus. „Die Finanzmärkte funktionieren nicht mehr“, so sein Fazit.
Musste sich denn erst die Staatspleite von Griechenland, der Zusammenbruch der Finanzhaushalte in Spanien, Irland, Portugal und Italien (genannt PIGS, was „Schweine“ heißt) ereignen, ohne dabei die EU-Neumitglieder Bulgarien, Rumänien, Litauen, Lettland, Estland usw. zu erwähnen, damit sich die bürgerlichen Führungskräfte des alten Kontinents Europa über den Krisenzustand ihrer Regierungshaushalte klar wurden? Die Antwort darauf lautet Nein. Die Förderer der Euro-Zone Deutschland und Frankreich wussten, dass die Mitglieder jener PIGS-Gruppe nicht die Bedingungen für die Eingliederung in die Euro-Zone aufwiesen. Aber Machtinteressen überwogen eben.
Griechenland war bereits seit dem Ende des 2. Weltkriegs finanziell zusammengebrochen, als die USA das Aufkommen der sozialistischen Bewegung verhinderten, weil Griechenland eine wichtige militärstrategische Bedeutung im Mittelmeergebiet hat. Von 1947 bis 1974 standen die Volkswirtschaft und die Politik Griechenlands unter direkter Kontrolle des US-State Department. Das Aufkommen der Volksbewegung in den 60er Jahren bewog die USA, den Staatsstreich zu unterstützen, durch welchen jegliche demokratische Opposition im Blutbad endete, zusammengeschossen wurde und schweren Foltern unterworfen war. Der Film von Costa Gavras „Z“ ist ein großartiges Zeitzeugnis für die damalige Unterdrückung und den Terror der Herrschenden gegen das griechische Volk. Als das griechische Parlamentsmitglied 1964 eine Protestnote an die US-Regierung wegen deren Einmischung sandte, antwortete ihm US-Präsident Lindon B. Johnson: „Fuck your parliament and your constitution. America is an elephant.“ („Wen interessiert dein Parlament und deine Verfassung. Amerika ist ein Elephant.“)
Konkret dieser Elefant ließ die ihm willfährig sich unterwerfende Regierungselite Westeuropas in Gestalt von EU und NATO die globalisierte neoliberale imperialistische Wirtschaftsweise akzeptieren, womit auch dessen Bankiers denen der USA gleichgeschaltet wurden. Die imperialistischen Schwadronen des US-Finanzkapitals wie die Spekulanten von Goldman Sachs organisierten die betrügerischen Geschäfte in großem Umfang mit den öffentlichen Haushalten der EU-Länder, auch mit der PIGS-Gruppe. Auf diese Weise enterten sie Europa, wie Piraten ein Schiff entern. Dass der nächste Finanzkollaps vorprogrammiert und die Schwächung der EU vorprogrammiert war, wussten sie. Die US-Finanzclans gewannen, profitierten.
Genau dies brauchten die USA für die Zementierung ihrer Vorherrschaft in der heutigen Zeit. Griechenland ist jetzt praktisch Eigentum von Goldman Sachs, des IWF und deutscher und französischer privatkapitalistischer Großbanken. Dieses Finanzkonsortium drückt Griechenland und seinen Leidensgefährten in der PIGS-Gruppe den „Washington-Konsens“ als Enteignung der eigenen Bürger bei Sozialleistungen und Löhnen und mittels der Steuer- und Preispolitik auf. Genau dasselbe machte Lateinamerika in den Jahren von 1980 bis 1990 unter IWF-Diktat durch. Alle öffentlichen Sozialhaushalte wurden drastisch platt gemacht, während die Militärausgaben zur Niederhaltung der Volkswiderstände wuchsen.
Die Reaktion in Lateinamerika bestand im Erwachen des gesellschaftlichen Massenbewusstseins. Dies wurde zur Grundlage dafür, dass heutzutage die Vormachtstellung der USA in Lateinamerika ständig schwächer wird.
Indessen ergreifen die Folgen der Finanzkrise auch immer stärker auf Deutschland und Frankreich. Beide imperialistische Wirtschaftsriesen begegneten diesem Umstand mit dem 750-Milliarden-Euro-“Rettungspaket für die PIGS“. Aber in ganz Amerika weiß man auf dem gesamten Kontinent mittlerweile bestens, wie diese Art „Hilfe“ funktioniert. Für bestenfalls symbolischen Zins gehen etliche Milliarden Euro an die Clans der größten Finanzkapitalisten, welche lediglich dieses Geld zu Wucherzinsen hochprofitabel an jene zurück leihen, die es ihnen durch politische Beschlüsse zu Lasten der Arbeiterklasse bewilligten. Wo und wie rasch diese „Lösung“ ihr Ende findet, weiß in Lateinamerika auch jedermann mittlerweile bestens. Und die europäischen Völker stehen vor der Frage, ob sie sich mit drastischer Beschleunigung des Absturzes der Bevölkerungsmehrheiten in die schlimmste Armut abfinden wollen oder nicht. Sie werden rasch erkennen müssen, dass die Herrschaft des Finanzkapitals abgewirtschaftet hat.
Alternative radikal-demokratische Vorschläge zum Krisenmanagement
ÜBERTRAGUNG DES SUCRE DER ALBA AUF EUROPA VORGESCHLAGEN
übersetzt von Jens-Torsten Bohlke, Brüssel
Havanna, 31. Mai 2010, Cubadebate. Das System des Regionalen Austausches (Sucre) des Bolivarischen Bündnisses für die Völker Amerikas (ALBA) könnte angesichts der den alten Kontinent schüttelnden Krise auf Europa übertragen werden, meint das ekuadorianische Mitglied des Ausschusses für Neue Finanzarchitektur Pedro Páez auf einer Pressekonferenz auf der Beratung über die „Neue Internationale Finanzarchitektur“ in Quito vor Teilnehmern aus Ländern auf den Kontinenten Amerika und Europa. Für Páez heißt es: „Anstelle einer strikt an die traditionellen Themen der Freihandelsverträge geklammerten Tagesordnung sollten wir ruhig ein alternatives Austausch- und Zahlungssystem zwischen Europa und Lateinamerika diskutieren.“
Laut Páez könnte so ein System helfen, „Importe aus Lateinamerika zu finanzieren, die dann als Kompensationsgeschäft mit Exporten aus Europa bezahlt würden“, sozusagen durch eine virtuelle Handelswährung. Dieses System wäre wichtig „unter den Bedingungen, wo die Geldliquidität in Devisen wie Dollar und Euro als Krisenfolge und Folge der Staatsschulden in Europa und in den USA immer schwieriger wird“. „Die Verknappung der Geldmittel (...) durch die Notwendigkeit ihrer Verwendung zur Lösung der Krisenprobleme des Nordens wird den Umstand für den staatlichen und privaten Wirtschaftsbereich erschweren, die für die Gewährleistung des normalen Handelsaustausches erforderliche Liquidität zu haben.“
Daher beharrte er darauf, dass Finanzinstrumente wie der Sucre es ermöglichen, „die Kosten- und Problemschwelle im Handel herabzusetzen“ und außerdem „eine Reihe von Akteuren einzubeziehen, die heute nicht am Handel teilnehmen.“
„Die Volkswirtschaft, die kleinen und mittleren Unternehmen, die kommunale Wirtschaft, die Genossenschaften, - sie alle haben von heute auf heute keinen Zugang zu den internationalen Kapitalmärkten. Und dies kann die Gelegenheit sein, damit eine wie diese bisher blockierte so wichtige gesellschaftliche produktive Energie freigesetzt werden kann.“
Er unterstrich, dass dieses Schema zu weiteren Initiativen führen könnte, die in Südamerika mit der Südbank von UNASUR auf dem Vormarsch sind.
Das System der Kompensationszahlung mit Europa kann beispielsweise bei der Finanzierung eines „Eisenbahnnetzes“ in Südamerika Gestalt annehmen. Was Europa die Möglichkeit verschaffen würde, dort Arbeitsplätze zu schaffen und dies auch hier in Lateinamerika zu tun“, so Páez. Er erinnerte, dass der Sucre derzeit nur für den Zahlungsverkehr zwischen Venezuela und Kuba verwendet wird, welche die ALBA bilden, zusammen mit Ekuador, Bolivien, Nikaragua, Dominica, Antigua und Barbudas, San Vicente und den Grenadinen. Dessen ungeachtet hat dieses virtuelle Zahlungssystem seine Wirksamkeit unter Beweis gestellt. „Es wurde eine Reihe von Probeläufen elektronisch durchgeführt“, und die Arbeitsweise in den Transaktionen unter dem Aspekt der Problemlosigkeit war in allen Fällen „sehr gut“.
Seinerseits äußerte der ekuadorianische Kanzler Ricardo Patiño bei der Eröffnung der Konferenz über die „Neue Internationale Finanzarchitektur“, dass die wirtschaftliche Stabilität als ein „globales öffentliches Gut“ weltweit gesehen werden muss. Patiño erklärte, dass die neue regionale Finanzarchitektur mit ihren Instrumenten Südbank usw. ganz andere Ziele als die traditionell vorhandenen internationalen Kreditorganisationen verfolgt. Bei der neuen Weltwirtschaftsarchitektur geht es um drei Anliegen: „Nahrungsmittelsouveränität, Energie- und Gesundheitssouveränität zum Wohle der Völker“.
Am morgen zu Ende gehenden Treffen in Quito nehmen u.a. der brasilianische Philosoph Theotonio Dos und der mexikanische Wissenschaftler Jaime Estay sowie der spanische Ökonom Pedro Montes teil.
(Mit Information von EFE)